Gespräche mit Siegfried Assmann

Siegfried Assmann 2019

Jeder Besucher der Großhandorfer Auferstehungskirche wird von der strahlenden Rosette über dem Altar in den Bann gezogen.

Dazu schrieb der ehemalige Großhansdorfer Pastor Dr. Christoph Schroeder:

„ … und stärkt dem Liturgen, der den Gottesdienst zelebriert, den Rücken und lässt erahnen, dass hier ein Mehr da ist, das die Person des Liturgen transzendiert. Hier gewinnt für mich das Gestalt, was der Beter des 36. Psalms bestaunt: “Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht.” Das Licht als Mittel, um die himmlische Dimension sichtbar zu machen, ist so zentrales Mittel der sakralen Architektur.“

Dieses von dem örtlichen Glaskünstler Siegfried Assmann geschaffene Kunstwerk  fasziniert, und man möchte mehr darüber erfahren.

Der nahende  95. Geburtstag des Künstlers am 1.2.2020 war der willkommene  Anlass zu mehreren Gesprächen über sein Leben und sein Werk.

Ein Gespräch mit  Siegfried Assmann über seine  Kunst beginnt mit  einem tiefen Blick in die Vergangenheit.

Schon in seinen ersten Sätzen über seinen künstlerischen Werdegang erwähnt er sein Elternhaus, seinen Vater, den Religion- und Musiklehrer, der den Jungen  prägte und die Neugier an Büchern, Religion, Kunst und Musik weckte.

Am 1. Februar 1925 wurde Siegfried Assmann in Kirchplatz Provinz Posen geboren und bereits während seiner Zeit auf dem Gymnasium wurde sein außerordentliches Zeichentalent deutlich.

Während des 2. Weltkriegs geriet er in amerikanische  Kriegsgefangenschaft.

Auch dort nützte ihm sein Talent, und er erhielt Aufträge, z.B. Offiziere und Kameraden zu malen. Er ließ sich in Zigaretten bezahlen, der einzigen „harten“ Währung.

„ Widerstand lässt Kräfte wachsen“, sagt Siegfried Assmann und  ließ sich nicht beirren, trotz unsicherer Aussichten ein Kunststudium anzufangen.

1947 begann er sein Studium der Malerei, Wandgestaltung und Grafik an der Landeskunstschule in Hamburg, Lerchenfeld.

Mit dem Bildhauer Carolus Voigt, dessen Werke viel Ähnlichkeit mit Barlach hatten, verband ihn eine  enge Freundschaft. Er fuhr mit der U-Bahn aus dem kriegszerstörten Hamburg nach Aumühle und besuchte den Bildhauer. Dessen Haus hatte einen Wintergarten, den Siegfried Assmann als Atelier mit benutzen konnte.

In seinem Studium war ihm das Aktzeichen  besonders  wichtig, weil es ihm ein Anliegen war, die Menschen kennenzulernen. Nur mit genauer Kenntnis der Anatomie ist eine bildhauerische Arbeit möglich.

Seine Neugier ließ ihn neue Techniken ausprobieren, so auch während eines Aufenthaltes  in Überlingen am Bodensee, dort erlernte er bei der Glaswerkstatt Alfred Häberle die Kunst der Glasmalerei.

Im Madrigalchor der Hauptkirche St. Petri fand er dann auch eine musikalische Heimat. Dort sang auch die Tochter von Bischof Knolle mit und so entstand der Kontakt zu einem ersten Auftrag für ein Glasfenster zum Thema Lutherrose. Dieses  Fenster gehört zu  einem Nebenraum, so dass es leider der Öffentlichkeit nicht  sofort zugänglich ist.

Der  künstlerische Durchbruch gelang Siegfried Assmann, als er 1952 den Auftrag zur Gestaltung der Fenster der Kreuzkirche in Hamburg- Ottensen erhielt.

Mit dem Honorar dieses Auftrags kaufte er das Grundstück in Großhansdorf und errichtete sein erstes eigenes Atelier.

Es folgten viele erfolgreiche Jahre, denn die wirtschaftliche Lage der  jungen Bundesrepublik verbesserte sich, die Städte wurden wieder aufgebaut, ebenso die Kirchen.

Schon 1928 gab es einen  Erlass des  preußische Minister des Innern, nach dem bildenden Künstlern „bei der Errichtung und Ausstattung staatlicher oder kommunaler Bauten mehr als bisher, unter besonderer Berücksichtigung der beschäftigungslosen und in Not geratenen bildenden Künstler, Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten zu schaffen“ seien.

In diesem Programm, kurz „ Kunst am Bau“ genannt, verpflichteten sich die öffentlichen Bauherren, rund 1 % der Bausumme für die künstlerische Ausgestaltung auszugeben.

Davon profitierte auch Siegfried Assmann.

Für die Neugestaltung der Kirchen und öffentlichen Gebäude wurden Wettbewerbe ausgelobt, an denen  er sich beteiligte und sehr erfolgreich war.

Nicht immer konnte sich der Künstler frei entfalten, manches Mal war durch die Architekten ein Rahmen vorgegeben.

So auch bei der Großhansdorfer Kirche, dort sogar im Wortsinn, bei der Rosette über dem Altar mit dem  integrierten Kreuz.

Siegfried Assmann war nicht glücklich mit diesen zwölf kleinen Öffnungen, er hätte gern die gesamte Wand gestaltet, so wie z.B. in der Kapelle des Klosters  Nütschau.

Welches Thema konnte er dort unterbringen?

Er entschied sich für 12 Symbole aus dem Leben Jesu.

Denn sein Anspruch war, dass man  (Glas-)Bilder lesen können muss. 

Und ihm war auch gleichzeitig klar, dass die Kenntnisse der Menschen über die Symbolik immer mehr zurückgingen.

Wer daraufhin die Bilder betrachtet, wird sehen, mit welchem Geschick er die Themen auf das Wesentliche konzentriert.

Achten Sie nur die Fußabdrücke Jesu bei der Himmelfahrt, was für eine geniale Idee!

Für das Betrachten von Glasfenstern gibt  Siegfried Assmann noch den Tipp, dass die schönste Wirkung an einem neblig hellen Tag entsteht, nicht, wie man als Laie zunächst denkt, bei strahlendem Sonnenschein. „ Licht frisst Farbe“, sagt er.

Sein Werk umfasst  nicht nur Glasfenster, sondern auch ein reiches bildhauerisches Schaffen für Schulen, öffentliche Plätze und Gebäude.

Dies nahm insbesondere seit den  1960er Jahren mehr Raum ein.

Auch die Supraporten über Haupt- und Nebeneingang der Auferstehungskirche sind Werke von Siegfried Assmann: „Der Einzug in die Arche Noah“ und „Der Auserwählte zieht auf einer Eselin in Jerusalem ein“.

Eindrucksvoll sind auch die Bronzeskulpturen in Bad Oldesloe mit dem Titel „Menschen einer Stadt“,  in Hamburg- Volksdorf mit dem Titel „Eliza“ und die Skulptur „Synergia“ vor dem Rathaus in Grosshansdorf.

Dass Humor in der Kunst erlaubt ist, ist ein Credo von  Siegfried Assmann.

So ist auch eins seiner jüngsten Werke einem der kessesten Hamburger Lieder gewidmet, dem „Jung mit‘ n Tüdelband“.

 Am 4. Mai 2019 wurde dessen Bronzeskulptur an der Fassade des ehemaligen Wohnhauses des Lieddichters  Ludwig Wolf eingeweiht.

 

Gabriele Schabbel-Mader

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